Erhöhter Stress und Schlafprobleme zählen zu den häufigsten Ursachen für Augenringe. Bei Schlafproblemen können wir zwischen mehreren Problemen unterscheiden, die oft zusammenhängen, aber auch unabhängig voneinander auftreten können. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den häufigsten Ursachen für Schlaflosigkeit und Schlafprobleme allgemein.

Die häufigsten Ursachen für Schlaflosigkeit | @Freepik
Auf Lösungen für Schlaflosigkeit bin ich bereits im Artikel Was tun gegen Schlafprobleme? eingegangen. Die dort erwähnten Methoden sind oftmals sehr hilfreich, um Schlafprobleme ganz oder zumindest teilweise in den Griff zu bekommen. Es ist aber auch wichtig, die Ursachen für Probleme aller Art zu kennen. Wer die Ursachen kennt, kann diese womöglich abstellen. In unserem Falle heißt das: Wenn ich weiß, warum ich nicht schlafen kann, und wenn ich diese Ursachen abstellen kann, werden sich meine Schlafprobleme auch bessern.
Symptome und Arten von Schlafproblemen
Schlafprobleme und Schlaflosigkeit können sich unterschiedlich ausdrücken und manchmal kommen auch mehrere Arten gleichzeitig vor. Wir können unterscheiden zwischen:
- Einschlafprobleme
- Durchschlafprobleme: Häufiges nächtliches Aufwachen. Manchmal verbunden mit der Unfähigkeit, anschließend wieder einschlafen zu können
- Niedrige Schlafqualität: Wenige Tiefschlafphasen, Schlaf ist wenig erholsam
- Sehr frühes Aufwachen und nicht wieder einschlafen können
Zu den Symptomen von Schlaflosigkeit vor allem tagsüber zählen:
- Müdigkeit und Energielosigkeit
- Konzentrationsprobleme
- Gereiztheit
- Kopfschmerzen
10 Ursachen für Schlaflosigkeit
Nachdem wir uns angeschaut haben, was Schlafprobleme überhaupt sind, schauen wir uns jetzt zehn der häufigsten Ursachen für Schlaflosigkeit an.
Zu viel blaues Licht
Das Hormon Melatonin wird gerne auch als Schlafhormon bezeichnet. Im Normalfall sinkt Melatonin am Morgen und bleibt tagsüber eher niedrig, um dann gegen Abend wieder anzusteigen. Der Körper wird so auf den Schlaf vorbereitet. Blaues Licht unterdrückt die Bildung von Melatonin.
Gelangt Abends viel blaues Licht ins Auge, ist das für den Körper ein Signal, dass es noch mitten am Tag ist und der Schlaf noch weit entfernt. Vor der Erfindung des elektrischen Lichts und vor allem vieler Elektrogeräte wie TV, Computer oder Smartphone, war die Sonne zusammen mit Feuer die einzige Lichtquelle.

Blaues Licht durch Elektrogeräte kann Schlafprobleme verursachen | @Freepik
Das natürliche Lichtspektrum der Sonne ändert sich zwischen Sonnenauf- und -untergang. Mittags enthält es ziemlich viel blaues Licht, gegen Abend nimmt der Anteil immer mehr ab. Dann dominieren Strahlen aus dem roten, orangen und gelben Lichtspektrum. Wenn die Sonne langsam untergeht, ist das ein Signal an den Körper, sich langsam aber sicher auf den Schlaf vorzubereiten.
Blaues Licht bedeutet übrigens nicht, dass die Farbe für das Auge als blau identifizierbar ist. Elektrogeräte wie TV, Computer oder Smartphone strahlen in der Regel relativ viel blaues Licht aus. Allerdings gibt es mittlerweile Blaulichtfilter als Apps oder bereits voreingestellt. Zudem gibt es spezielle Brillen, die blaues Licht blockieren. Wer Abends noch viel Fernsehen schaut oder den Laptop oder das Smartphone benutzt, sollte versuchen, blaues Licht so gut wie möglich herauszufiltern.
Ungünstige Schlafumgebung
Der Punkt „ungünstige Schlafumgebung“ klingt natürlich sehr allgemein. Wir können darunter verschiedene Probleme zusammenfassen, für die ich nicht immer einzeln eine neue Überschrift wählen wollte.
Eine ungünstige Schlafumgebung kann in den folgenden Fällen vorliegen:
- Die Umgebung ist zu laut
- Die Umgebung ist zu hell (Straßenlaternen durchs Fenster, Lichtquellen im Zimmer etc.)
- Es ist zu heiß (oder auch zu kalt) im Zimmer
- Die Matratze ist zu hart oder zu weich
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, Lichtquellen im Raum zu beseitigen (Elektrogeräte ausstöpseln etc.) und das Handy in den Flugmodus zu schalten. Außerdem kann es helfen, vor dem Schlafen das Schlafzimmer durchzulüften.
Zu viel Stress
Erhöhter Stress gehört zu den häufigsten Ursachen für Schlafprobleme aller Art und kann auch direkt Augenringe verursachen. Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin halten uns wach. Sie kennen vermutlich das Gefühl, wenn Ihnen jemand oder etwas einen großen Schreck eingejagt hat. In diesem Fall werden Stresshormone ausgeschüttet, so dass man in einer potenziell gefährlichen Situationen kämpfen oder weglaufen kann (Fight-or-Flight-Response). Allerdings ist dieser Zustand natürlich keiner, nach dem man schnell Schlaf findet.
Wenn Stress chronisch wird, sind auch Stresshormone chronisch erhöht. Es fällt dann immer schwerer, erholsamen Schlaf zu finden, obwohl man ihn gerade in dieser Situation nötig hätte. Der fehlende oder nicht-erholsame Schlaf kann dann wiederum zu noch mehr Stress führen, wodurch eine Art Teufelskreislauf entsteht.
Zum Thema Stressabbau habe ich bereits zwei Artikel geschrieben: 7 Methoden zum Stressabbau und Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion. Chronischer Stress ist schwer in den Griff zu bekommen und es geht nicht über Nacht. Es gibt aber Mittel und Wege, um Stress im Leben zu reduzieren.
Medizinische Gründe
Was medizinische Gründe betrifft, können wir verschiedene Probleme betrachten, die mit Schlafstörungen assoziiert sind. Dazu gehören:
- Restless-Leg-Syndrom
- Atemprobleme oder Asthma
- Schlafapnoe
- Depressionen
- Schilddrüsenerkrankungen
- Narkolepsie
- übermäßiger nächtlicher Harndrang
- Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen)
- körperliche Schmerzen
- Tinnitus
Gerade eine Schlafapnoe wird von Betroffenen oftmals gar nicht bemerkt. Sie kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Wenn Sie an einem dieser Probleme leiden oder vermuten, darunter zu leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Bei anhaltenden Schlafproblemen kann auch eine Nacht im Schlaflabor Klarheit schaffen und die Ursachen für die Schlaflosigkeit aufdecken.
Nicht abschalten können (Gedankenkreisen)
Diesen Punkt kennen die meisten Menschen. Man liegt abends im Bett und will schlafen, denkt aber noch sehr intensiv über andere Dinge nach (Arbeit, Beziehung etc.) und kommt nicht zur Ruhe. Manchmal macht man sich dann darüber Gedanken, dass man nicht einschlafen kann – und kann es dann erst recht nicht. Aus eigener Erfahrung wird es schwieriger einzuschlafen, je stärker man es „versucht“.
Wer im Bett viel grübelt und deshalb nicht einschlafen kann, könnte beispielsweise ausprobieren ein Tagebuch zu führen. Dort schreibt man am Ende des Tages Gedanken auf, die man hat, und was gerade Sorgen bereitet. Dies hilft, die Gedanken zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Es ist ein guter Weg, um ein Thema erst einmal beiseite zu schieben.
Zu viel, zu wenig oder falsches Essen vor dem Schlafengehen
An dieser Zwischenüberschrift kann man sehen, dass beim Essen bezüglich des Schlafes einiges falsch laufen kann. Wir gehen nacheinander die einzelnen Punkte durch. Alle können zu den Ursachen für Schlaflosigkeit gezählt werden.
Zu viel Essen: Wer relativ kurz vor dem Schlafengehen große Mengen an Nahrung zu sich nimmt, kann Probleme mit dem Schlaf bekommen. Der Körper ist dann noch mit dem Verdauungsvorgang beschäftigt und hat keine Zeit, sich auf den Schlaf vorzubereiten.
Zu wenig Essen: Das mag zunächst paradox klingen, aber auch zu wenig Essen über den Tag verteilt kann zu Schlafproblemen führen. Hat der Körper nicht genügend Energie und Nährstoffe, werden Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin ausgeschüttet. In diesen Fällen wacht man oft Nachts auf, fühlt sich gestresst und hungrig, und es fällt schwer, wieder einzuschlafen.
Falsches Essen: Auch wenn der Zeitpunkt stimmt, kann das falsche Essen vor dem Schlafen dazu führen, dass wir schwer einschlafen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Nahrung schwer verdaulich ist oder einfach nicht vertragen wird. Dies ist natürlich sehr individuell. Generell empfiehlt es sich, als letzte Mahlzeit vor dem Schlafengehen etwas leicht verdauliches zu wählen.
Stimulanzien und Alkohol
Dieser Punkt gehört streng genommen auch zum Thema Nahrung. Auf der einen Seite ist natürlich bekannt, dass Koffein ein Stimulans ist. Kaffee oder verschiedene Teesorten (schwarzer und grüner Tee) zu spät im Tag können daher den Schlaf stören. Was vielen Menschen weniger bekannt ist, ist dass auch Kakao bzw. dunkle Schokolade eine signifikante Menge Koffein enthalten. Auch hier sollte man darauf achten, ob der Konsum am Abend evtl. den Schlaf stört.
Noch ein Wort zu Alkohol: Bier oder Wein wird häufig als Einschlafmittel angepriesen. Das mag im Einzelfall sogar stimmen. Allerdings senkt Alkohol die Schlafqualität und man erreicht weniger tiefe Schlafphasen. Der Schlaf ist daher oberflächlicher und weniger erholsam. Bei einem Glas am Abend dürften solche Probleme nicht auftreten, größere Mengen an Alkohol können aber durchaus den Schlaf stören, selbst wenn man schneller einschläft. Diese „Einschlafhilfe“ kann also durchaus zu den Ursachen für Schlaflosigkeit gehören.
Zu wenig oder zu viel Bewegung
Auch hier haben wir wieder beide Enden des Spektrums, die beide Ursachen für Schlafprobleme sein können.
Wer kennt es nicht, dass Kinder am Ende des Tages todmüde ins Bett fallen, wenn sie den ganzen Tag draußen gespielt und sich ausgetobt haben. Auch bei Erwachsenen hat die Aktivität am Tag aber natürlich einen Einfluss auf den Schlaf. Wer kaum Bewegung hat und die meiste Zeit passiv ist, hat Abends häufig Probleme mit dem Einschlafen.
Aber auch zu viel Bewegung kann Schlafprobleme verursachen, wenn der Abstand zwischen der sportlichen Aktivität und dem Schlafengehen zu gering ist. Wer nicht genug Zeit hat, um herunterzukommen, liegt oftmals noch mehrere Stunden wach. Der Körper fühlt sich zwar einerseits müde an, auf der anderen Seite ist der Adrenalinspiegel aber noch immer hoch und es gab kaum Zeit zur Entspannung.
Man liest solche Erfahrungen manchmal von Profisportlern, deren Spiele spät Abends stattfinden und die nach Interviews, Nachbesprechung, evtl. Dopingprobe und Heimfahrt erst nach Mitternacht zu Hause oder im Hotelzimmer sind. Da Sportler dann auch erst spät eine Mahlzeit zu sich nehmen, verzögert sich das Einschlafen noch weiter. Oftmals liest man dann, dass Spitzensportler erst im Morgengrauen einschlafen.
Generell ist es empfehlenswert, sich tagsüber relativ viel zu bewegen (Sport, Spazieren gehen, körperlich anspruchsvoller Beruf, Hausarbeit, …), aber keine zu intensiven Tätigkeiten mehr spät am Abend durchzuführen.
Gestörter Schlafrhythmus (Unregelmäßige Schlafzeiten)
Sie haben bestimmt schon einmal von der „inneren Uhr“ gehört. Ein anderer Begriff dafür ist der zirkadiane Rhythmus oder auch Schlaf-Wach-Rhythmus. Hierunter versteht man grob gesagt, dass im besten Falle ein bestimmter Rhythmus vorliegt, was die Einschlaf- und die Aufwachzeit betrifft. Unser Körper weiß dann, wann es Zeit zum Schlafen ist und wann der Tag beginnt.
Zwei Spezialfälle sind Schichtarbeit und Jetlag. Im ersten Fall ist der Schlafrhythmus fast ständig durcheinander. Im zweiten Fall benötigt der Körper eine Weile, um sich an die neue Zeitzone zu gewöhnen. Das kann beispielsweise auch bei der Zeitumstellung um eine Stunde passieren. Eine Zeitumstellung ist sozusagen ein kleiner Jetlag. Während diese eine Stunde vielen Menschen nichts ausmacht, haben andere anschließend für einige Tage mit ihrem Schlaf zu kämpfen.
Wenn möglich, d.h. wenn keine Schichtarbeit vorliegt, ist es empfehlenswert in etwa zur gleichen Zeit morgens aufzustehen und abends ins Bett zu gehen. Am Wochenende ist das oftmals schwieriger, aber kleinere Verschiebungen sind meistens kein Problem. Wer aber an einem Tag um 7 Uhr aufsteht und am nächsten bis mittags schläft und erst morgens um 2 Uhr ins Bett geht, kann dadurch leicht seinen Rhythmus durcheinander bringen.
Manche Medikamente als Ursache für Schlaflosigkeit
Auch manche Medikamente können Schlafstörungen auslösen. Dazu gehören unter anderem manche Antidepressiva. Auch Asthmamittel können dafür sorgen, dass man sich eher aufgeputscht fühlt und dann schlecht schlafen kann. Das ist besonders ärgerlich, wenn Atemprobleme zu den Ursachen für Schlaflosigkeit gehören. Dann sorgen sowohl das gesundheitliche Problem als auch die Lösung für dieses Problem dafür, dass man nicht schlafen kann.
Grundsätzlich sollte man sich mit dem Hausarzt absprechen oder in der Apotheke nachfragen, ob ein Medikament Schlafprobleme verursachen kann. Auch kann es sich lohnen, den Beipackzettel etwas genauer zu lesen. Dort ist aufgelistet, welche Nebenwirkungen ein Medikament haben kann und wie häufig diese Nebenwirkungen im Schnitt auftreten.
Folgen von Schlafstörungen
Kurzzeitige Schlafprobleme sind in aller Regel harmlos, so lange es sich nach ein paar Tagen wieder einpendelt. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Schon wer eine Nacht lang nicht oder wenig schläft und am nächsten Tag müde ist, hat beim Autofahren eine erhöhte Unfallgefahr. Sollte der Zustand aber chronisch werden und mehrere Wochen anhalten, sprechen wir von einer Schlafstörung. Diese kann erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen.
Zu den negativen Folgen, die bei Schlafstörungen auftreten können, zählen:
- erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bluthochdruck
- Depressionen und Hoffnungslosigkeit
- erhöhter Stress (Teufelskreislauf)
- mangelnde Regeneration
- höheres Infektionsrisiko
- Lern- und Gedächtnisprobleme (Schlaf ist wichtig um Informationen im Gedächtnis zu speichern)
Schlafstörungen sind also durchaus ernst zu nehmen. Sich die Ursachen von Schlaflosigkeit bewusst zu machen, kann oft schon helfen, um es gar nicht erst zu Problemen kommen zu lassen. Sollten die Schlafprobleme lange anhalten und auch mit den Tipps in diesem oder dem in der Einleitung verlinkten Artikel nicht oder kaum besser werden, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Vielleicht kann auch eine Nacht im Schlaflabor den erhofften Durchbruch bringen.